%bild boygroup.jpg Beam me up 7/99 spass im spiegelsaal... Spinnen sind Tiere. Spinner sind nur Menschen. Wieviel Jux braucht's, um diese Welt auszuhalten? Hinter den Unsinn bei Bodenstaendig 2000 hat Oke Goetlich gelugt, und dabei eine Menge Ernst gefunden. Gibt es ein Leben nach dem Spass? Die Seufzer derer, die zum Lachen in den Keller gehen, sind schon jetzt lauter, als die Musikkapellen auf dem Oktoberfest. Darf es etwas geben, dass gegen die Ironie in Technoland antritt? Etwas wider den tierischen Ernst? Nein, wirklich nicht. Denn wir sind ehrliche Leute, die ernsthafte Betrachtungen vorziehen und ebenso arbeiten. EinsZwei, Polizei. Doch nach einmonatiger Belagerung unserer Stadt Koeln seitens der Ordnungshueter wg. Clinton, Chirac, Blair und Schroeder in the house, fragt mensch sich was wirklich erlaubt ist. Darf ich bei Rot ueber die Strasse gehen, wenn zwei Gruene in Kampfmontur auf der anderen Strassenseite warten? Ich moechte doch leben, sagt sich mensch und tritt den wagemutigen Sprung von der Teppichkante an. Spass funktioniert so. Darf ich? Kann ich? Spinn ich? Ja, ja, ja. Vor allem bewusstes Spinnen pinkelt selbsternannten Ordnungshuetern direkt ans Bein, ohne das es Folgen haette - die spinnen ja eh. Sind ja auch Wissenschaftler. Der eine, Bernhard, im schoenen Saarbruecken am Deutschen Forschungsinstitut fuer kuenstliche Intelligenz, der andere, Drax, als Wissentschaftlerpraktikant beim Frauenhofer Institut in Stuttgart im Bereich virtuelle Realitaet. Zusammen erklaeren sie Deutschland, dessen Funktionieren. Und noch viel dreister: sie schicken ihre Botschaft von England aus in die weite Welt. Als Kabelfreax verstehen sie aber mehr vom Loeten als vom Toeten. So basteln sie an ihren Soundkarten mit dem Auftrag, selbsterfundene Software wie den 'Deluxe Mjuzakk Zerbastel Kit' zu nutzen, eigens geschriebene Volkslieder in deutscher Sprache darueber zu singen, und darueberhinaus wissen »dass wir keine Nazis sein koennen, weil wir nicht stolz sind, deutsch zu sein, auch wenn das halbe Pop-Biz dies aufgrund der deutschen Texte denken mag«. Genauso, wie die naechsten gewitzten Zweifler in den deutschen Wald schreien: TrashTrashTrash. So nicht ihr Kulturpolizisten! Denn hier wird nachgedacht und reflektiert. Kein leerer Spass, verrueckte Wissenschaft nochmal. Waehrend die Problematiken des traditionellen, wie auch modernen kulturellen Stumpfsinns praezise veralbert werden und bei vielen Kuenstlern damit schon genug gesagt worden ist, schaffen Bodenstaendig 2000 es konkret zu kommentieren, was sie selbst verbrechen, ohne das Warum und Weshalb ausser Sichtweite geraten zu lassen: »Wer bodenstaendig ist, der darf ruhig ein wenig einfaeltig sein und fragen: Warum eigentlich? Warum haben Computermusiker eigentlich nicht genug Selbstbewusstsein gehabt, zu sagen: Dieser, mein Sound, ist genauso ein wertvoller Sound wie beispielsweise ein Violinsound oder ein E-Gitarren-Sound. So machen halt C64-Heimcomputermusikpioniere wie Chris Huelsbeck heute lieber orchestralen Bombast und rennen dauernd den neuesten amtlichen Japansynthies hinterher. Klar, seit Techno hat sich da was geaendert, aber die Technobewegung seit 1990 ist nur der erste Schritt hin zu einer riesigen Vielfalt an elektronischer Musik.« Dem rechthaberischen Benehmen der ewig Bodenstaendigen damit somit galant der Teppich unter den Fuessen weggezogen und dem anachronistischen Soundtueftler ein Werkzeug an die Hand gegeben, sich dieser traegen Masse entgegenzustellen, hier ausserdem aber als eine Selbstlegitimation fuer etwas dient, was aus einer ernsthaften Kritik von vornherein ausgeschlossen wird. »Fuer den amtlichen Studiosound hatte ich nie Geld und auch ueberhaupt kein Interesse. Ich wusste lange gar nicht, dass es das ueberhaupt gibt. Mir war das schon immer 'gut genug', was man mit den einfachen Mitteln machen kann, beziehungsweise hat das eine ganz eigene Qualitaet. Ich bin der Ansicht, das das richtige Musik ist, ganz normale Musik, die einen bestimmten kulturellen Hintergrund hat. Der Zwang zum 'Amtlichen' scheint immer noch sehr verbreitet zu sein. Kann man von mir aus so machen, aber alles andere dann als Quatsch abzustempeln ist natuerlich nicht gerade hoeflich.« Der ewiggestrige Simplizitaetsvorwurf darf damit getrost beim naechsten Autowaschtag von der Windschutzscheibe gewischt werden, damit die Sicht wieder frei ist. Der Kopf wird den Augen dann vielleicht von ganz alleine folgen. Und das Klangkloetzchenschieberfieber geht auch wieder weg. Freie Fahrt fuer »den Rhythmus, der die deutsche Lebenzfreude auf internationales Niveau anhebt und der Produktion der Zwanxtanzformel made in Germany. Dann koennen die Brasilianer echt einpacken mit ihrer Lebenzfreude! HARHARHAR!« Kinder, fuerchtet euch vor den Forschern, denn Wissen schafft! © by okay goettlich. Dieser Text erschien auch bei <%braus http://www.aroma-online.de/>aroma-online.