%bild pumpup.jpg %hires pumpup.jpg Total bodenständig: Klangklötzchen schieben Die Nachwuchs-Popstars von Bodenständig 2000 spielten im Hamburger Pudel Club auf ihren Computern und Blockflöten Von Jan-Keno Janssen Hamburg. Das harte Los der Kritikerlieblinge: In den Fachblättern werden die Acts hochgejubelt, aber die Plattenverkäufe laufen schleppend, und live will die ach so tollen Musiker auch niemand sehen. Bei Bodenständig 2000 (wir berichteten) läuft das alles etwas anders: Die Kritiker haben zwar mit Lorbeeren nur so um sich geworfen, aber auch der Verkauf brummt - jedenfalls in einschlägigen Plattenläden. Natürlich passt das durchgeknallte Elektro-Techno-Trash-Pop-Fun-Material nicht auf eine weichgespülte 'Bravo-Hits'-Compilation - und damit auch nicht in die Charts. Nichtsdestotrotz: Ihr erstes Meisterwerk 'Maxi German Rave Blast Hits 3' steht bereits in etlichen Jugendzimmern im Plattenregal. Dragan Espenschied und Bern Kirsch haben ihre Tracks mit hoffnungslos veralteten und sehr suspekten Maschinen aufgenommen - Livekonzerte können sie also nicht bestreiten. Doch! Einfach die hoffnungslos veralteten und sehr suspekten Maschinen auf einer Bühne aufbauen! Das haben die bodenständigen Süddeutschen auch gemacht. Und zwar in Berlin und Hamburg. In der Elbmetropole waren wir dabei, das Spektakel stieg im populären Golden Pudel Club in St. Pauli. Der (zu kleine) Laden war gerammelt voll, die Fans tobten. In der Tat, es waren tatsächlich fast alles echte Fans, die sich in den Pudel aufgemacht hatten - es wurde sogar mitgesungen. Mitgröhl-Atmosphäre im Underground-Schuppen? So nun auch nicht, aber die Stimmung wirkte doch recht ausgelassen. Auf einer etwa zwei mal zwei Meter großen 'Bühne' verausgabte sich das Bodenständig-Duo. Viel Platz hatten sie dazu nicht, schließlich mussten all ihre antiquierten Computer auf der Bühne Platz haben. Auch eine alte Akustikgitarre (komplett ausgestattet mit Peace-Zeichen und der obligatorischen Frage 'Why?') hatte man als Alibi-Rockstar-Instrument mitgebracht. Schließlich war ja auch auf dem Flyer zu lesen, dass sich hier 'hart rockende Wissenschaftler' ein Stelldichein geben - sogar Senior-Popstar Andreas Dorau ('Fred vom Jupiter', 'Girls in Love') wurde davon angelockt und stand schüchtern grinsend im Publikum. Insgesamt zweieinhalb Stunden standen die Nachwuchs-Popstars auf der Bühne, nicht ohne am Ende noch ein Blockflötensolo abzuliefern. Furios das alles – aber vielleicht doch ein bisschen zu lang. Zwar wurde die Show durch kurzweilige und gnadenlos ulkige Diashows aufgelockert, aber irgendwann hatte man es doch satt, nur auf Computerbildschirme mit blinkenden Zahlen zu gucken, wo dann irgendwo Musik rauskam. Weil so richtig live spielen geht ja nicht bei solcher Musik. Aber das stand ja - dezent umschrieben - auch auf dem Plakat: 'Klangklötzchen schieben live gemacht'. Trotzdem: Alles in allem ein Klasse-Konzert -nur mit den Groupies hat’s für Dragan und Bern leider nicht mehr geklappt. Denn Mädels stehen mehr auf echte Rocker. <%braus http://www.ost-friesland.de/anzeiger/>Anzeiger für Harlingerland