%bild mpi.jpg %hires mpi.jpg spex, August 1999 3 Wissenschaftler und 2 Popstars -------------------------------- BODENSTANDIG 2000 sind reichlich geiler Technopop. Dragan Espenschied (Prof. Drax) ist juenger als Bernhard Kirsch (Dr. Bern). Zum Interview am Max-Planck-Institut für Festivalplanung in Quakenbrück, wo ich derzeit fuer Spex in der Grundlagenverdunklung tätig bin, kommen sie nur 7 Minuten zu spät. Prof. Drax, der am Fraunhofer-Institut künstliche Intelligenz züchtet oder schnitzt oder was, trägt modebewußt einen klementinenweißen Laborkittel mit Plastikschildchen-Namenskennung. Die Zusammenarbeit der beiden, aus der sich irgendwann das third mind »Bodenstandig 2000« geschält hat, läuft ganz state-of-the-art: »Wir mailen so drei bis fünf Mal pro Tag.« (Dr. Bern) Ich gehe mit ihnen in die Cafeteria. Sie lachen über mein altmodisches Aufnahmegerät. - Wie seid ihr bei Rephlex gelandet? PROF. DRAX: Ei, des war so. Wir haben an irgendwelche Leute mal Kassetten oder CDs geschickt. Wir kannten uns ja auch nicht aus mit so Plattenverträgen und Musikverlagen oder so, weil wir lesen ja auch kein Spex oder WOM-Journal. DR: BERN: Da steht auch nix drin über sowas. PROF. DRAX: Naja, schon. Was so gerade rauskommt und wer das rausbringt und so. Aber dann muß man es immer erst kaufen und anhören, bevor man weiß, was los ist (lacht). Naja, jedenfalls hat mich ein Freund immer genervt, von wegen Rephlex, dann haben wir es da hingeschickt, vorher war es schon weißgottwo und wurde auch ein paarmal verbummelt, aber die bei Rephlex fanden des halt geil. - Einfach so? Gleich geklappt? PROF. DRAX: Was heißt da gleich, nach einem halben Jahr haben die sich gemeldet. DR. BERN: Daß wir da gelandet sind, ist ein großer Glücksfall, denn unsere Platte hat jetzt auf einen Schlag überall auf der Welt Reaktionen ausgelöst. Das ist schon ein großer Spaß, und wenn man in Japan nur fünf Irre damit glücklich machen kann. - Sind denn genug Hits auf der Platte? PROF. DRAX: Ich denke schon. DR: BERN: Also ein paar Sachen ... sowas wie »Party ganze Nacht«, das kannst du ... PROF. DRAX: ... im Vorprogramm von DJ Bobo spielen. - Wie seid ihr zur Musik gekommen? Warum nicht Film, Buch oder Schnellgerichte? PROF. DRAX: Schnellgerichte, hahaha. DR. BERN: Da war Zwang dahinter. Also ich hatte Bildungsbürgelriche Eltern und mußte erstmal. Ich habe neun Jahre Geige gespielt, das war eigentlich immer Mist für mich als Kind, aber es hat mir natürlich trotzdem geholfen, Harmonielehre und so. Dann ging irgendwann die Heimcomputer-Zeit los. Commodore PET, C64. Da habe ich Videospiele programmiert und wie viele anderen besonderen Wert auf die Musik gelegt. Dann kamen Atari und Amiga und später haben wir dann eigene Musiksoftware geschrieben, unser 'Deluxe Mjuzak Zerbastel Kit', later called 'TrakCom' für den Atari Falcon war ein großer Schritt. - Und wie bist du zur Musik gekommen, Drax? PROF. DRAX: Oh, ich weiß auch nicht, meine Mama singt halt immer. Und dann habe ich mal Heimorgel gelernt und Blockflöte. Ich spiele super Blockflöte. DR. BERN: Er spielt sogar zwei Blockflöten gleichzeitig, das ist ne interessante Technik. Kann man gut für Liveauftritte verwenden. - Was ist für Euch Humor, und: muß das sein? PROF. DRAX: (lacht.) DR. BERN: Tja, Humor läßt sich schlecht vermeiden. Aber wir machen uns nicht nur über was lustig, am Ende noch über Techno oder sowas, es ist nur so ... 1990 war die Musik schon interessanter. Das ist unheimlich verödet in den letzten 3 Jahren, ich denke, wir machen da schon nochmal was Neues, da wir weg von diesem immer Fetteren gehen. Hin wieder mehr zum Dünneren. Das Fette, das kann ja jetzt jeder. - Kann man zu Eurer Platte tanzen? Und wenn ja, wer macht das? PROF. DRAX: Haha, alle Weiber machen das. DR: BERN: Manche Stücke sind halt eher zum daheim in die Kissen Flennen. - Wie seht ihr Euch im Vergleich zu Oval, Mouse on Mars und sowas? PROF. DRAX: Ich habe den Jan Werner mal getroffen, das ist ein ganz lieber Kerl, der hübscher Mann, sehr gut angezogen. Und das Verhältnis? Ja, ich weiß auch nicht. Ich mag das, ich mag Oval. - Wie steht Ihr zu deutschsprachigem HipHop? PROF. DRAX: Och, unterschiedlich. DR. BERN: Ganz gut. Tja, das dazu. Sind sie nicht allerliebst? Barbara Kirchner Foto: Philip von Winterfeldt --- <%braus http://www.spex.de/>Spex Online